Dienstag, 24. Dezember 2013

Ballträume von Eva Joachimsen



„Meinst du wirklich, ich kann auch ohne Partner zum Ball gehen?“ Kim nahm Melanie einige Bücher ab und trug sie nach vorn. Sie mussten sie noch in Geschenkpapier einpacken. Die Bücher, die sie momentan verkauften, waren fast alle Weihnachtsgeschenke und die verpackten sie lieber morgens, wenn der Laden noch halbwegs leer war, als später, wenn die Warteschlange an der Kasse immer länger wurde.
„Natürlich, die Männer fordern reihum auf. Außerdem gibt es Vorführungen und Dirk muss fotografieren, da bin ich froh, wenn ich mich mit jemanden unterhalten kann.“
Trotzdem zögerte Kim noch. Natürlich musste sie unter Leute kommen. Seit sie ihren Ex rausgeschmissen hatte, war sie niedergeschlagen und saß fast jeden Abend vor der Glotze. Selbst zum Lesen hatte sie keine Lust mehr. Aber im Tanzclub Lietzensee kannten sich alle und außerdem konnten alle ganz toll tanzen. Da konnte sie mit ihren paar Tanzschulschritten doch gar nicht mithalten.
„Hast du ein schönes Kleid? Es muss nicht lang sein. Oder eine schwarze Stoffhose?“
Kim schüttelte den Kopf. „Mein Kleid vom Abtanzball passt mir schon lange nicht mehr.“ Ihr kam das Kleid aus dem Schaufenster in den Sinn. Seit Tagen schaute sie es sich in der Mittagspause sehnsüchtig an. Ein trägerloser Traum in dunkelrot. Ihre brünetten Haare würden damit gut zur Geltung kommen.
Obwohl sie das Kleid gleich am nächsten Tag in der Pause probierte, zögerte sie noch immer. Erst als Dirk Melanie am Abend abholte und einen attraktiven schwarzhaarigen jungen Mann dabei hatte, überlegte sie es sich ernsthaft. Den ganzen Abend und den nächsten Morgen träumte sie von diesem Typ. Der konnte glatt als Fotomodell durchgehen. Durchtrainierter Körper, gleichmäßige Gesichtszüge und dann diese schwarzen Locken.
„War das ein Tänzer?“, fragte sie am nächsten Tag Melanie.
„Nein, ein Kollege von Dirk. Der kommt auch zum Ball.“
Das gab den Ausschlag. „Gibt es bei euch noch Plätze? Ich habe nichts Besseres vor, dann kann ich auch mit dir mitkommen und den Tänzern zuschauen“, gab Kim sich uninteressiert.

Da sie nichts vorhatte, begleitete sie Melanie am Freitag zum Schmücken der Vereinsräume. Sie hoffte, den Dunkelhaarigen zu treffen.
„Dirk hat keine Zeit und ich kann auch zu spät, weil ich arbeiten musste. Und morgen muss ich Schnittchen mitbringen“, erklärte Melanie im Bus. Sie stiegen aus und liefen das letzte Stück zu Fuß.
„Wann willst du die denn noch vorbereiten?“
„Zwischen Arbeit und Ball.“ Melanie grinste. „Ich fühle mich in der Küche sowieso nicht so wohl. Aber die anderen meinten, es spiele keine Rolle, also habe ich nur Weißbrot bestellt und packe Mett drauf. Dekorieren dürfen die anderen.“
Melanie bog in den Hinterhof ein. Im Hinterhaus war die erste Etage hell erleuchtet. Sie eilten die Treppe hoch. Tische und Stühle standen schon im kleinen Saal, als sie eintrafen. Sie gesellten sich zu einer Frau, die Tannenzweige und Weihnachtsschmuck zu Gestecken band, die sie an die Wände hängte.
Marga, die gute Seele des Vereins, rollte die Papiertischdecken aus. Nachdem alle Wände dekoriert waren, schmückten sie die Tische. Sie hatten sogar noch genug Zweige für den Vorraum übrig. Einer der Männer brachte Lichterketten, die sie über den Tresen in der Bar hängten.
Zwei Stunden später sahen die Räume wunderschön weihnachtlich aus. „Gar nicht wiederzuerkennen“, meinte Melanie zu Marga, bevor sie gingen.
„Du denkst an die Schnittchen.“
„Zu Befehl.“ Melanie salutierte.

Am nächsten Tag mussten sie bis 18 Uhr arbeiten. Damit Melanie schneller nach Hause konnte, half Kim ihr bei der Abrechnung. Gemeinsam brachten sie das Geld zur Bank. Melanie hatte ihr angeboten, sich bei ihr umzuziehen, da Kim weiter weg wohnte.
Dank Kims Hilfe waren die Schnittchen schnell fertig und Kim dekorierte die Platte auch noch liebevoll mit Petersilie und Gürkchen.
„Wenn ich gewusst hätte, wie talentiert du bist, hätte ich etwas ganz Kompliziertes angeboten“, meinte Melanie.
„Was denn?“
„Weiß ich nicht.“ Sie lachten, dann beeilten sie sich, sich zurechtzumachen. Sie waren gerade fertig, als Dirk eintraf.
Er begrüßte Kim mit einem Handschlag, anschließend umarmte und küsste er Melanie. In Kim regte sich Neid. Dabei hatte sie selbst ihren Ex hinausgeworfen, weil er sich immer bedienen ließ und auch noch von ihrem Geld lebte. Ob sie heute Chancen hatte, einen netten Partner zu finden? Sie war schon ganz aufgeregt. Hoffentlich gefiel sie Dirks Kollegen.
Dirk beeilte sich und sie trafen ein, als der 1. Vorsitzende die Gäste begrüßte und den Ball mit einem Wiener Walzer eröffnete.
Kim saß da und staunte. In der Tanzschule hatte sie schon immer gedacht, die Goldpaare wären gut. Aber hier bewegten sich Tänzer auf der Fläche, die seit Jahren oder gar Jahrzehnten tanzten.
Trotzdem ließ Dirk keine Ausrede gelten, sondern forderte sie auf. Die anderen Herren am Tisch folgten seinem Beispiel. Kim fühlte sich unsicher. Sie hatte Angst, ihren Partnern auf die Füße zu treten. Außerdem war sie nicht bei der Sache. Immer wieder spähte sie nach der Tür, ob Bernd endlich käme.
Wie gut, dass Melanie mit ihr in den Pausen die Grundschritte geübt hatte. Kim hatte sie schon fast vergessen gehabt.
Ab und zu ließ Dirk einen Tanz aus und fotografierte. „Ich bin hier als Vereinsfotograf engagiert“, meinte er, bevor er von Tisch zu Tisch ging und so nach und nach alle aufnahm.
Nach der ersten Stunde traten die Squaredancer auf. Mit ihrer Westernkluft und den Petticoats sahen sie schön aus. Dazu strahlten sie so eine Lebensfreude aus.
„Willst du da nicht mitmachen?“, flüsterte Melanie.
„Ich habe doch keinen Partner.“
Nach dem Auftritt erschien endlich der Dunkelhaarige. Melanie stellte sie vor. „Meine Kollegin Kim. Und das ist Bernd, ein Kollege von Dirk.“
Bernd setzte sich neben Kim. Sie errötete und spielte mit den Fingern. Krampfhaft suchte sie nach einem Gesprächsthema. Schließlich fragte sie ihn nach seinem Lieblingsbuch.
„Oh, ich lese nicht.“
„Und dein Lieblingsfilm?“
„Ich sehe eigentlich nur Fußball.“
„Gehst du nicht ins Kino?“, fragte Kim entsetzt.
Er schüttelte den Kopf.
„Verreist du im Sommer?“
„Ich fahre mit meinen Kumpels in den Süden. Das machen wir jedes Jahr. Ostern fahren wir an die See, Pfingsten in den Harz und im Oktober durch die Alpen.“
„Mit dem Auto?“
Er lachte. „Nein, ich habe eine Harley.“ Und dann schwärmte er eine Viertelstunde von seiner Maschine. Kim verstand kein Wort. Wollte sie auch gar nicht. Sie hatte Angst vor Motorrädern, seit ein Bekannter einen schweren Unfall gehabt hatte. Aber das schien Bernd nicht zu bemerken.
Nach einer halben Stunde floh Kim auf die Toilette. Bernd hatte ihr die ganze Zeit die Vorzüge seines Motorrads erläutert.
Nach einer Weile folgte Melanie ihr. „Magst du ihn nicht?“
„Über was unterhältst du dich mit ihm?“
„Hm, gar nicht. Dirk und er unterhalten sich. Meistens über Kameras und Fotoprogramme.“ Da Melanie Mitleid mit Kim hatte, gingen sie gemeinsam an einen anderen Tisch und setzten sich zu einer lebhaften Gruppe, in der viel gewitzelt wurde. „Unsere Squaredancer.“ stellte Melanie vor. Kurz darauf führten ein paar Turnierpaare etwas vor. Mit ihren bunten, glitzernden Kleidern und den Fräcken sahen sie so wunderschön aus. Schon allein deshalb hätte Kim gern getanzt.
Als Dirk den Fotoapparat beiseite packte und Melanie aufforderte, blieb Kim bei den jungen Leuten sitzen.
„Wollen wir es miteinander probieren?“, fragte ein junger blonder Mann mit Grübchen an den Wangen. Und als sie nickte, stand er auf und reichte ihr seine Hand. Er bewegte sich gut und konnte sie so führen, dass sie das Gefühl hatte, schon ewig zu tanzen.
„Ich denke, du bis Squaredancer.“
Henrik lachte. „Ja, aber ab und zu helfe ich im Tanzkreis aus, wenn ein Herr fehlt.“ Als er sie zurückführte, meinte er: „Im Januar fängt ein Discofoxkurs an, vielleicht ist da ein Herr übrig. Schau doch einfach einmal vorbei.“
„Und wie ist es bei den Squaredancern?“
„Da kannst du auch kommen. Wenn Herren fehlen, tanzen einige Frauen als Herren.“
Zwischen den Gesellschaftstänzen wurde immer wieder Musik für die Squaredancer gespielt. Kim ging zu Melanie zurück.
„Ich hoffe, du langeweilst dich nicht.“
Kim schüttelte den Kopf. „Nein, ihr seid ein netter Verein.“
„Es war sicher gut, dass du uns gestern geholfen hast, dadurch kennen dich jetzt einige.“
Später trat die Lateinformation auf. Henrik kam und setzte sich auf Bernds Platz. Bernd stand am Tresen, unterhielt sich angeregt und trank Bier. Wahrscheinlich hatte er einen anderen Biker getroffen.
„Tanzt er überhaupt?“, flüsterte Kim.
„Nein, ich habe ihn aufgefordert, das war ein großer Fehler.“ Melanie wies auf die abgeschürfte Stelle auf ihrem Fußrücken hin. „Er hatte Dirk um eine Karte gebeten, als Dirk ihm von unserem Ball erzählt hat, deshalb dachte ich, er kann tanzen.“
Da hatte Kim wohl Glück gehabt, dass er sie nicht aufgefordert hatte.
Die Vorführung der Formation war traumhaft. Schnell und spritzig wirbelten die Tänzer über die Fläche. Kim sah ihnen neidisch zu. So schön würde sie auch gern tanzen können. Sie nahm sich vor, es mit dem Discofoxkurs zu probieren. Vielleicht hatte sie Glück und fand einen Herrn. Nach dem Auftritt füllte sich die Tanzfläche erst langsam wieder. So als ob alle einen großen Respekt vor dem Können hätten.
Die Herren des Tisches forderten Kim wieder auf. Sie konnten alle phantastisch führen. Kim wusste fast immer, was sie machen sollte, dabei kannte sie die Figuren gar nicht.
Und dann stand Henrik wieder vor ihr. „Tanzt du mit mir oder nur noch mit den Turniertänzern?“
Sie lief rot an. „Die fordern mich nur auf, weil sie Melanie einen Gefallen tun wollen.“ Henrik führte sie über die Fläche. Erst im Walzergrundschritt, dann mit schwierigeren Figuren. „Ich kann leider nur unregelmäßig zum Training kommen, weil ich so häufig auf Dienstreise bin“, erklärte er.
„Schade“, entfuhr es Kim. Dann biss sie sich auf die Zunge.
Henrik lachte. „Wir können es ja miteinander probieren. Aber ich bin wirklich häufig weg und dann lernst du nichts.“
„Du kannst es mir hinterher beibringen.“ Sie folgte ihm zu seinem Platz. Dirk hatte die Kamera weggelegt, also brauchte Melanie keine Gesellschafterin mehr.
Sie stellte fest, dass Henrik dieselben Thriller wie sie las und im Kino gern Thriller und Komödien ansah.
Lange nach Mitternacht schaute Melanie vorbei. „Wir gehen nach Hause. Bleibst du noch oder sollen wir dich mitnehmen?“
„Ich bleibe. Vielen Dank!“ Notfalls musste sie eine Taxe nehmen. Aber so schnell würde sie ihren Platz neben Henrik nicht räumen.
„Bernd ist schon verschwunden, war wohl nicht das, was er erwartet hatte.“ Melanie zwinkerte ihr zu, dann nickte sie und ging.
Henrik tippte Kim auf die Schulter. Sie drehte sich um. „Lass uns noch einen Discofox tanzen.“ Und bevor sie antwortete, zog Henrik sie schon auf die Tanzfläche. Er drehte sie unter seinen Arm durch und anschließend befand sie sich in seinem anderen Arm. Gemeinsam drehten sie sich. Als die Musik aufhörte, zog er sie an sich und küsste sie.

©Eva Joachimsen



Sonntag, 22. Dezember 2013

Gefährlicher Luftverkehr von Annette Paul



„Hoho, nicht so langsam.“ Der Weihnachtsmann schnalzte mit der Zunge, um seine Rentiere anzutreiben und als das nicht half, knallte er mit der Peitsche. Von wegen besinnlich und gemächlich. Heute legten die Kunden größten Wert auf Pünktlichkeit, ansonsten verlor er sie an die Konkurrenz.
Da sein Schlitten nicht so voll wie in früheren Jahren war, viele waren abgewandert, konnte er seinen alten Tieren ein höheres Tempo zumuten. Eine Verjüngung des Zugparks ließ der gekürzte Etat nicht mehr zu. Zu viele Kunden waren in den letzten Jahren schon zu moderneren Anbietern abgewandert.
Das Leittier spielte nervös mit den Ohren. Jetzt wurden die Tiere von allein schneller. Als der Weihnachtsmann das Geräusch endlich hörte, seine Ohren waren nicht mehr so gut wie früher, aber ein Hörgerät zahlte seine Krankenkasse nicht, war es zum Reagieren zu spät. Eine Drohne überholte sie, gefährlich tief fliegend. Fast berührte sie die Köpfe der Tiere. Der Mann am anderen Ende der Welt, der sie lenkte, machte sich einen Spaß mit dem alten Vertriebssystem.
Verschreckt sprangen die Rens los und brachen zur Seite aus. Mit voller Geschwindigkeit preschten sie in Richtung Brandenburger Tor. Die Drohne folgte, lieferte ihnen ein ungleiches Wettrennen.
Der Weihnachtsmann hörte Bremsen quietschen. Schweiß brach ihm aus und rann von der Stirn in den weißen Bart. Zum Glück blieb das anschließende Scheppern aus. Was hätte das für eine Schlagzeile gegeben: „Weihnachtsmann verursacht vor dem Brandenburger Tor eine Massenkarambolage.“ Im letzten Moment bevor sie die Kreuzung erreichten, konnte er sein Gespann zügeln. „Brav, jetzt gehen wir schön langsam zu unseren Kunden. Sollen sie doch warten oder notfalls zur Konkurrenz wechseln. Wir haben uns unseren Ruhestand längst verdient. Nicht wahr, meine Lieben?“, murmelte er in seinen Bart.
Im Schritttempo fuhr er weiter. Die Tiere nahmen das Hupkonzert stoisch hin, daran waren sie seit Jahrzehnten gewöhnt. Gerade als der Weihnachtsmann vor einem Altbau hielt und hinter sich zu seinem Jutesack griff, hörte er erneut eine Drohne. hastig schnappte er sich die Zügel und sprach beruhigend auf die Tiere ein. Die Hightech-Maschine flog direkt über ihnen und ließ ihre Fracht fallen. Das Heimkinosystem streifte seinen Kopf und blieb dann auf den Geschenken im hinteren Teil des Schlittens liegen. Benommen sackte der Weihnachtsmann zusammen. Die Landung einer Hundertschaft Drohnen, bekam er nicht mehr mit. Die Passanten, die ihm zu Hilfe eilten, mussten erst über Stapel der bis zur Haustür zugestellten Pakete klettern.

©Annette Paul

Ähnliche Geschichten vom Weihnachtsmann gibt es in den Ebooks „Weihnachtsmann im Weihnachtsstress“ und „Weihnachtsmann hat noch mehr Stress“.
Mehr von Annette Paul auf ihrem Blog: http://probeschmoekern-annette-paul.blogspot.de

Samstag, 21. Dezember 2013

Alle Jahre wieder - Schöne Bescherung von Torsten Buchheit





Weihnachtszeit 
Für viele Menschen die schönste Zeit des Jahres. So auch für den Autor dieses Lexikons, ohne die er 
dieses Lexikon gar nicht hätte schreiben können.

Orangen 
Zwar ganzjährig erhältliche, jedoch besonders um die Weihnachtszeit verzehrte Südfrüchte. Unverzichtbar zur Dekoration eines Adventstellers, auch weil sie viel billiger sind als jedes andere Teil auf dem Adventsteller. Je nach Sorte sauer, zäh oder mit vielen Kernen. Die Orangen auf Ihrem letzten Adventsteller waren ein botanisches Wunder: Sauer, zäh und mit vielen Kernen.

Dominosteine 
Würfelförmiges Weihnachtsgebäck aus einer Schicht Marzipan, einer Schicht Lebkuchen und einer Schicht Gelee, das Ganze mit Schokoladenüberzug. Daher verschmiert man sich die Finger, wenn man zuerst die Marzipanschicht und dann die Lebkuchenschicht runterfrißt. Die Familie wird vollends geschockt, wenn man dann die Geleeschicht sauber lutscht und auf den Teller spuckt. Das hinterläßt insbesondere bei Ihren Kindern bleibende Eindrücke.

Katzen 
Flauschiges Kleingetier mit wenig Sinn für Weihnachten. Liebt es, ausgedehnte Klettertouren im Weihnachtsbaum zu unternehmen und dabei die letzten Christbaumkugeln herunterzutätzeln. Macht sich einen Spaß daraus, das Lametta zu fressen. Daher treffen sich viele Katzenbesitzer traditionell um die Weihnachtszeit zu einem geselligen Beisammensein im Wartezimmer des Tierarztes, um dort das mitgebrachte Gebäck zu verzehren und um den kleinen Lieblingen das Lametta operativ aus dem 
Magen-Darm-Trakt entfernen zu lassen.

Christbaumständer 
Jährliche vorweihnachtliche Heimsuchung für den Heimwerker, da der Weihnachtsbaum erst zu sehr wackelt, dann schief steht, zum guten Schluß beides. Daher reift in Ihnen jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit der Entschluß, im Baumarkt endlich mal ein gescheites Teil zu kaufen. Leider reift dieser Entschluß nicht nur in Ihnen alleine. Tausende frustrierter Heimwerker stürmen kurz vor dem Fest die Baumärkte, die dann ihre alten Ladenhüter zu irrwitzigen Preisen an den Mann bringen. Zuhause angekommen, stellen Sie dann fest, daß der neue Christbaumständer keinen Deut besser ist als der alte. Deshalb nehmen Sie sich vor, im nächsten Jahr einen neuen, endlich besseren Christbaumständer zu kaufen. Qualitativ hochwertige Modelle sind sowohl für Weihnachtsbäume als auch für Christbäume geeignet. Leider auch entsprechend teuer.

Verkohlen 
Traditionelle Zubereitungsart für Weihnachtsgans oder Truthahn, bei der fehlende Garzeit durch höhere Temperatur ausgeglichen wird. Fertig ist der Braten, wenn weißer Rauch aufsteigt. Dann haben Sie drei Sekunden Zeit, bevor schwarzer Rauch aufsteigt.

Dynamit 
Bewährtes Mittel zum Abschmücken des Weihnachtsbaumes. Glättet das Lametta, entfernt die Christbaumspitze und zerlegt die Christbaumkugeln in platzsparende Kleinteile. Und das alles in einem Arbeitsgang! Auch zum Füllen der Überraschungseisbombe geeignet.

Freude 
Angesichts der Berge von Geschenken zur Weihnachtszeit wird oft vergessen, daß große Geschenke nicht der Sinn von Weihnachten sind. Auch das Schenken von kleinen Geschenken wie zum Beispiel diesem hübschen Weihnachtslexikon bereitet oft große Freude. Und zwar dem Autor dieses Lexikons, der bei jedem geschenkten Buch seine Kasse klingeln hört…

Gänsebräter 
Weil Sie einen dieser neumodischen Küchenherde mit Glaskeramikkochfeld haben, und weil dieses Glaskeramikkochfeld eine Bräterzone besitzt, kamen Sie in einem Moment der geistigen Schwäche auf die Idee, einen Gänsebräter zu kaufen. 42 Zentimeter groß, emailliert, aber relativ preiswert (im Vergleich zu einer Rolltreppe). Jetzt belegt das Monstrum ein ganzes Fach im Küchenschrank und wartet schon seit Monaten auf die Weihnachtsgans.

Glühwein 
Ab Mitte Oktober in Massen ausgeschenkte Plörre, bestehend aus etwas billigem Wein, viel heißem Wasser, Zucker und obskurem Glühweingewürz, das bei näherer Betrachtung auch unter das Kriegswaffenkontrollgesetz fallen könnte. Glühwein kann natürlich auch selbst hergestellt werden. Aber bitte nicht wieder mit Rum nachhelfen!

Christstollen 
Typisches Spätsommergebäck, überschwemmt ab August die Läden. Besteht aus einem schweren Teig mit viel Orangeat und Zitronat, Mandeln, Marzipan, Rosinen und einer dicken Kruste aus Puderzucker, die man vor dem Verzehr besser abstreift, wenn man beim Kaffeetisch nicht wie ein Bekloppter aussehen will.

Krötenwanderung 
Bitte erhöhte Vorsicht, sofern Sie ab Mitte November das Haus verlassen! Es beginnt die jährliche Krötenwanderung. Ihre sauer verdienten Kröten wandern von Ihrem Geldbeutel in die Kassen der Spielwarenläden und Einkaufscenter.

Kokosmakronen 
Weihnachtliches Gebäck aus einer Kokos-Eischnee-Masse auf einer Oblate. Die Oblate klebt eklig an der Zunge fest, während sich die Kokosraspeln ihren Weg in die Zahnzwischenräume suchen. Frische Kokosmakronen sehen genau so aus wie Jahrzehnte alte, völlig versteinerte Exemplare, die Ihr Zahnarzt bei seinem letzten Besuch auf den Weihnachtsteller geschmuggelt hat.

Mai 
Eigentlich könnte man denken, man wäre in diesem Monat endlich vor Weihnachten sicher. Aber seit Anfang Mai läuft die Produktion der Schokoladenweihnachtsmänner auf Hochtouren, schließlich müssen sie im August in den Läden stehen.

Lichterkette 
Aus dreißig Meter Kabel und 100 Birnchen bestehendes Beleuchtungsgebilde für den Weihnachtsbaum. Wird beim Abschmücken traditionell so verknotet, daß im nächsten Jahr drei Stunden für das Entwirren erforderlich sind. Nach der mühsamen Befestigung auf dem Weihnachtsbaum stellt sich heraus, daß so viele Birnchen durchgebrannt sind, daß das Kabel überhitzt und der Baum im Flammen aufgeht.

Osterhase 
Gegenteil vom Weihnachtsmann. Hat mit Weihnachten gar nichts zu tun. Deshalb ist immer auf der Südhalbkugel Weihnachten, wenn auf der Nordhalbkugel Ostern ist (und umgekehrt). Im Prinzip genauso wie bei den Jahreszeiten.

Weihnachtsbeleuchtung 
Alljährliches weihnachtliches Wettrüsten. Am ersten Advent fällt der Startschuß, ab dann versuchen die Teilnehmer, ihre Wohnung, ihr Haus oder ihren Garten durch den hemmungslosen Einsatz von Beleuchtungs­körpern auf den Stromverbrauch eines gefechtsbereiten Flugzeugträgers zu bringen, wobei der Geschmack­losigkeit keinerlei Grenzen gesetzt sind. Der Gewinner des Wettbewerbs steht jedoch bereits im Voraus fest: Das städtische Elektrizitätswerk.


Leseprobe aus Alle Jahre wieder - Schöne Bescherung - Heiteres Weihnachtslexikon", erhältlich bei Amazon.
Mehr über den Autor: www.NIMMSmitHUMOR.de

Freitag, 20. Dezember 2013

Traumzeit-Geschichten - Winterträume von Marika Krücken



 
Leseprobe: - Ein wundersamer Traum

Als wieder einmal das Jahr zu Ende ging, zeigte der Winter mit kräftig aufgeblähten Wangen was er alles konnte. Carolina schaute vom Küchenfenster aus dem brausenden Schneetreiben zu.
„Mama, warum sieht der Regen weiß aus?“ Sie drehte sich um und schaute ihre Mutter fragend an.
„Weil der Regen, wenn es sehr kalt ist, als Schnee zur Erde fällt“, erklärte ihr die Mutter.
„Hhm“, nachdenklich legte das Mädchen einen Finger an ihre Nasenspitze, „aber warum ist der Schnee weiß?“
„Weil es jetzt Zeit zum Schlafen ist und gleich der Sandmann kommt. Ich lese dir noch eine Geschichte vor“, versuchte Carolinas Mama ihre kleine Tochter abzulenken.

Dick vermummt, einen viel zu großen Mantel an, Schal, Mütze, Handschuhe und schwere Stiefel an den Füßen, so klopfte der Winter polternd an das große Eisentor des Mondes. Er freute sich riesig, weil er endlich wieder gebraucht wurde und so richtig nach Herzenslust
wintern konnte. „Meister Mond, du kannst nun einige deiner Sternenkinder an ihren Platz am Himmel stellen. Für heute bin ich mit meiner Arbeit fertig und rechtschaffen müde. Ich glaube, ich habe mir jetzt ein kleines Nickerchen verdient!“
Der Mond beeilte sich der Aufforderung des Winters nachzukommen, damit alles seine Ordnung hatte und die Eltern der Kinder sich nicht
beschwerten. Die kleinen Mädchen und Jungen wollten nicht eher ins Bett gehen und schlafen, bevor es draußen dunkel war und die Sterne am
Himmel leuchteten.
Hastig lief er zur großen Trommel und trommelte, was die Stöcke hielten, damit auch die letzten Schlafmützensternchen ihn hörten und wie der
Blitz angerannt kamen. „Los, los! Schnell auf eure Plätze! Der Winter hat
aufgehört zu schneien. Es soll eine schöne, sternklare Nacht werden.“
Die kleinen Sternchen reckten und streckten sich, gähnten und rieben sich die Augen blank. „Meister Mond, ist es denn schon wieder so weit? Wir sind doch noch so müde“, maulten sie. Besonders Goldlöckchen, Silberschweifchen und Purzelchen fiel es immer am schwersten von allen.
„Ja, ja, es ist doch immer dasselbe. Morgens wollen sie nicht ins Bett und abends finden sie nicht wieder hinaus“, donnerte Meister Mond.
Die Sternchen flitzten in alle Himmelsrichtungen auseinander und stellten sich - ein jedes auf seinen Platz. Der Mond lief noch schnell zum goldenen
Himmelstelefon. Umständlich kramte er einen Zettel aus seiner Tasche heraus und wählte eine lange Nummer.

327        478       343        783686637         866           72636266
DAS       IST        DIE        RUFNUMMER       VOM         SANDMANN

Eine verschlafene Stimme am anderen Ende der Leitung fragte: „Hallo, wer ist dort?“
„Guten Abend, Herr Sandmann“, rief der Mond in den Apparat. „Bitte entschuldigen Sie die Störung. Ich wollte Sie nur daran erinnern, dass es Zeit wird, die Kinder ins Traumland zu führen.“
„Oje, ist es wirklich schon so spät? Dann muss ich mich aber sputen!“
Der Sandmann packte seinen großen Sack, schwang ihn über die Schulter und machte sich auf den Weg.

An dieser Stelle machte Carolinas Mama eine Pause und schaute auf ihr kleines Mädchen. Carolina hatte die Augen geschlossen und schlief tief und fest. Die Mutter stand auf, löschte das Licht und schlich auf Zehenspitzen zur Tür. Behutsam zog sie die Tür ins Schloss.

„So, jetzt nur noch schnell zur kleinen Carolina und dann ab ins warme Wolkenbett“, gähnte der Sandmann und ließ sich prustend aufs Dach fallen. Er kletterte durch den Schornstein hinunter. Leise öffnete er die Kinderzimmertür. „Mal sehen, welchen Traum wir noch für Carolina haben.“
Ein glänzender Sandstrahl flimmerte durch das Zimmer, so als würden Millionen kleiner Sternchen tanzen. Sie legten sich auf das schlafende Kind und deckten es zu.

In einem kleinen Fischerdorf in Grönland stand Anuks Vater traurig und mit leerem Korb vor seiner Familie. Er hatte schon wieder keine Fische
gefangen und morgen war Weihnachten. Seit Tagen war es bitter kalt. Der See war fast bis auf den Grund zugefroren. Die Menschen und Tiere fanden keine Nahrung. Selbst die Tränen an ihren
Augen waren keine Tränen. Sie lagen als kleine Eiskristalle auf den Gesichtern.
„So kann es nicht weitergehen“, sagte Anuks Vater. „Ich gehe zur weisen Frau. Sie muss uns helfen.“
Erschrocken schlug Anuks Mutter die Hände vors Gesicht. „Zur weisen Frau!“, rief sie. „Aber der Weg ist doch so weit und beschwerlich.“
„Es hilft nichts!“, erwiderte Anuks Vater. „Ich muss es versuchen und Anuk wird mich begleiten.“
Es war wirklich kein leichter Weg. Sie mussten durch Unterholz und tiefes Gestrüpp. Der Wind blies ihnen die Zweige der Bäume ins Gesicht. Die weise Frau wohnte in einer Höhle im Wald. Sie wollten schon aufgeben und wieder umkehren. Da endlich kamen sie an eine kleine Lichtung und
fanden den Eingang zur Höhle. Zögernd traten sie ein.
Anuks Vater rief: „Hallo, ist dort jemand?“
Aus der Tiefe der Höhle schallte sein Echo zurück.
„Wer wünscht mich zu sprechen?“, antwortete ihnen eine Stimme.
„Ich bin ein Fischer, unten aus dem Dorf und das ist mein Sohn Anuk. Wir wissen uns keinen Rat mehr. Die Tiere und Menschen finden keine
Nahrung, weil es so bitter kalt und der See zugefroren ist.“
Die weise Frau trat aus der Dunkelheit heraus.



Homepage von Marika Krücken: http://traumzeit-geschichten.de

Leseprobe aus "Traumzeit-Geschichten - Winterträume", erhältlich bei Amazon.